„Wenn Vergangenheit und Gegenwart eins werden, wozu mein Leben von je her Neigung hatte, nimmt
die Gegenwart leicht einen spukhaften Charakter an. – Macht sie noch immer Aufsehen in der Stadt?“
– Goethe in „Lotte in Weimar” –

Was ein Ausflug in die Vergangenheit werden soll, entwickelt sich unversehens zu einer Sensation: Als Charlotte Kestner, gebürtige Buff, mit ihrer Tochter im Gasthof „Zum Elephanten“ in Weimar ankommt, kann Hotelfaktotum Mager sein Glück kaum fassen. Vor ihm steht die Frau, die einstmals das Dichtergenie Goethe zu seiner Roman-Figur der Lotte in „Die Leiden des jungen Werther“ inspiriert hat. Kaum weiß er es, weiß es die ganze Stadt und findet sich vor dem Gasthof ein, um einen Blick auf die Berühmtheit zu werfen, und die Gäste, die Charlotte sprechen möchten, geben sich die Klinke in die Hand.

Doch wie passen die Erinnerung Charlottes, die Romanrealität und die verklärte Sicht der Bewunderer Goethes zusammen? Vor allem nach all den Jahren, die seit ihrer Begegnung mit dem damals noch gänzlich unbekannten Praktikanten am Reichskammergericht zu Wetzlar vergangen sind. War sie, Charlotte, mittlerweile Mutter erwachsener Kinder und verwitwet, wirklich die junge, offene Lotte aus Goethes Roman oder hat es sie so nie gegeben? Und wie wird es sein, dem Mann, der mit dem „Werther” über Nacht in Deutschland berühmt wurde, wieder zu begegnen?

Was geschieht, wenn Fiktion und Wirklichkeit aufeinander treffen? Werther und Lotte sind die Helden des berühmtesten deutschsprachigen Romans seiner Zeit. Beide gelten als das (fiktive) Traumpaar des 18. Jahrhunderts und sind bis heute der Inbegriff leidenschaftlich Liebender.
Goethe/Werther und Charlotte/Lotte sind Ausgangspunkt für Thomas Manns Roman „Lotte in Weimar“, den John von Düffel für die Bühne unter Verwendung von „Die Leiden des jungen Werther“ bearbeitet hat. Hält die späte Begegnung dem Wunschbild stand oder entlarvt sich alles als Komödie?

  1. April bis 2. Juni 2018
Besetzung